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Neugierig auf: Bierseligkeit
Text von Anja Fröhlich|Foto von Stadt Deggendorf|Stand: 16.02.2021 08:09 Uhr|Lesedauer: 2 Minuten
Neugierig auf Bierseligkeit: zu sehen sind drei Flaschenhälse von Bierflaschen

Bis 1860 gab es in Deggendorf 13 Brauereien. Um 1950 waren es nur mehr fünf. Die letzte Deggendorfer Brauerei, die Weißbierbrauerei Bayer, stellte 1992 ihren Betrieb ein. Die Konzentration auf wenige Großbrauereien begann im 19. Jahrhundert.
1811 wurde der „Bierzwang“ in Bayern aufgehoben. Dies war eine zünftische Schutzbestimmung, die den Brauern ihren Absatz garantierte: Jeder Wirt in Deggendorf und in der Umgebung von 10 Meilen durfte nur Bier aus einer Deggendorfer Brauerei ausschenken. Mit der Aufhebung des Bierzwanges jedoch konnten sie auch „fremdes“ Bier verkaufen.

Seit der Erfindung der künstlichen Kühlung (ab 1870) durften die Brauer ganzjährig Bier einsieden. Der Ausstoß des Bieres erhöhte sich. Mit der verbesserten Kühlfähigkeit verlängerte sich die Haltbarkeit des Bieres. Es wurde zunehmend „über Land“ transportiert. Der Konkurrenzdruck auf die kleinen Brauereien stieg. Diese konnten sich die kostspielige Kühltechnik nicht leisten. Das „Brauereisterben“ begann. Bis zur Erfindung der künstlichen Kühlung waren die Brauer von den Jahreszeiten abhängig. Von 1533 bis 1850 durfte nur in den Wintermonaten – von Michaeli (29.9.) bis Georgi (23.4.) – Bier gebraut werden. Es gab zwei Bierarten. Das ab März gebraute und ab Mai ausgeschenkte „Sommerbier “ oder „Märzenbier“ wurde stärker eingehopft als das im September eingesottene „Winterbier“.

Das Weißbräu“ – Die letzte Deggendorfer Brauerei
Von den 13 Deggendorfer Brauereien existierte ab 1977 nur mehr eine: die Weißbierbrauerei Bayer in der Bräugasse 8. 1992 stellte auch sie ihren Betrieb ein.
1885 meldete der Braumeister Josef I Bayer (1855-1912) eine Weißbierbrauerei in der Metzgergasse 15 an. 1892kaufte er mit seiner Frau Juliana (1854-1911), geborene Roßmadl, ein Wohnhaus in der Bräugasse 8. Im Innenhof errichtete er das Braugebäude und im Wohnhaus ein Bräustüberl. Neben Weißbier stellte er auch Mineralwasser und Limonaden her. 1910 übernahm sein Sohn Josef II Bayer (1883-1923) die Weißbierbrauerei und Mineralwasserfabrik. Nach dem Tod ihres Mannes führte Lidwina Bayer (1876-1951), geborene Amberger, die Brauerei mit Wirtschaft. Sie vergrößerte den Betrieb und verdreifachte den Weißbierausstoß. Da ihre Ehe kinderlos geblieben war, adoptierte sie ihren Neffen Otto Aufschläger (1912-1971), einen gelernten Metzger. Dieser führte ab 1951 mit einer Frau Rosa (1908-1972), geborene Bernhard, die Brauerei und Wirtschaft. 1966 verpachteten Otto und Rosa Bayer die Brauerei für 30 Jahre an den Braumeister Franz Rau (1901-1974). 1974 wurde die Brauerei von seiner Tochter Annemarie Rau mit Ehemann Johannes Friedrich, beide Diplombrauingenieure, übernommen. Im August 1992 wurde der Braubetrieb eingestellt. Ein Jahr später wurden die Brauereigebäude abgerissen. Die Passauer Innstadt Brauerei stellt bis 1996 im Lohnbrauverfahren das „Bayer Weizen“ her. Heute wird es von der Brauerei Wolferstetter in Vilshofen gebraut. Das Bräustüberl besteht noch heute.

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